Tja, seit heute bin ich postalisch Asiat. Nach langem Suchen (20 Besichtigungen; gefühlt 50, weil hier immer noch ca. 30 °C herrschen) habe ich heute einen Mietvertrag für eine Wohnung auf der asiatischen Seite unterschrieben. Und die Wohnung befindet sich in einem Stadtteil von Istanbul namens Harem. Sicher beneiden mich jetzt insbesondere die Herren, aber Harem wird hier auf der letzten Silbe betont und hat somit nichts mit der gerade eben hergestellten Assoziation zu tun. Trotzdem solltet Ihr mich (auch die Damen) ein bisschen beneiden, da ich von meiner Wohnung mit Terasse am Bosporus (1. Reihe) direkt auf die Altstadt von Istanbul schaue.
Aber, die Wohnung ist noch leer und so war ich auch heute mit einer Kollegin auf Einkaufstour in einem Stadtteil mit nur mal schlapp 2 Millionen Einwohnern. Ohne Hilfe hätte ich dort kaum hin und geschweige zurückgefunden. Mustafa (Möbelverkäufer) hat mit mir ca. 2 Stunden über meine Möbel beraten und nach Verhandlung (ich muss da wohl noch härter werden) einen annehmbaren Preis gemacht, glaube ich. Denn das weiss man hier nie. Egal, dass Problem ist jedenfalls erst einmal zumindestens teilweise gelöst. Nun fehlen noch so „einige“ Kleinigkeiten wie Kaffemaschine, Bügelbrett, Bügeleisen, Geschirr … Morgen werde ich da mal losziehen. Richtig, morgen ist auch hier Sonntag, aber die Geschäfte sind immer geöffnet. Nebenbei bemerkt, fahre ich hier nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Verkehr ist zwar insgesamt total chaotisch, aber irgendwie kommt man trotzdem voran. Bisher habe ich dazu den normalen Bus, den Minibus, den Dolmus(u) (Sammeltaxi), die Metro, die Fähren und die Strassenbahn benutzt. Davon werden in Zukunft die Bosporusfähren mein Hauptverkehrsmittel sein.
Und damit bin ich an der „zweiten“ Front. Natürlich werde ich auch in Zukunft sehr häufig in Europa zu Besuch sein, denn das Istanbul Erkek Lisesi liegt ja in Europa. Ergo werde ich jeden Morgen über den Bosporus schippern. In der vergangenen Woche habe ich viele Dinge zur Arbeit neu erfahren und fühlte mich schon allein von den formal-technischen Unterschieden fast erschlagen. Die Krönung folgte nun gestern. Der worst-case ist eingetroffen. Ich soll hier ausschliesslich Mathematik unterrichten und zwar in den Klassen 10 bis 12. Nichts gegen Mathematik, aber in diesem Fach und den oberen Klassenstufen habe ich bisher kaum oder sogar gar nicht unterrichtwet. Mir ist jedenfalls ziemlich schlecht. Wie soll ich das bloss schaffen? Bis jetzt ist mir noch keine Antwort auf diese entscheidende Frage eingefallen. Aber: Wozu Pessimist sein, man kann auch als Optimist verzweifeln. In diesem Sinne soweit für heute.
Euer Frank