A wie …

Arnavutköy
Der Name bedeutet „Dorf der Albaner“ und bezeichnet heute einen Stadtbezirk auf der europäischen Seite Istanbuls im Stadtbezirk Beşiktaş am Bosporus.

Atatürk
Mustafa Kemal Atatürk ist der Staatsgründer der Türkischen Republik (1923 gegründet) und gilt damit als der Vater einer modernen Türkei. Der Begriff Kemalismus bezeichnet noch heute eine Politik der Trennung von Staat und Religion. Ihm wird in der Türkei eine personenkultartige Verehrung entgegen gebracht. So wurde ihm 1934 vom türkischen Parlament der Nachname Atatürk (Vater aller Türken) verliehen. Jedes Jahr steht am 10 .November um 09:05 Uhr (sein Todeszeitpunkt im Jahre 1938) das öffentliche Leben in der Türkei für eine Schweigeminute still. Beeindruckend, aber auch ein bisschen gespenstisch.

B wie …

Bağdat Cadessi
Die B. C. ist eine berühmte Flaniermeile auf der asiatischen Seite Istanbuls, quasi als Äquivalent zur Istiklal Cadessi in Europa.

Bebek
B. ist ein Stadtbezirk in Beşiktaş an der gleichnamigen Bucht auf der europäischen Seite Istanbuls mit schönen Cafes und Restaurants und Villen der Istanbuler Oberschicht am Ufer des Bosporus.

Boğaz
B. ist der türkischer Name für den Bosporus (Boğaz = Hals; Schlund) als Meerenge, die das Marmarameer und das Schwarze Meer verbindet und die geographische Grenze zwischen Europa und Asien innerhalb Istanbuls darstellt.

Beşiktaş
B. ist ein Stadtbezirk auf der europäischen Seite Istanbuls, dessen Name auch ein berühmter Fussballklub trägt

C wie …

Çamlıca
Ç. ist ein Stadtteil auf der asiatischen Seite Istanbuls. Es lohnt sich vor allem eine Besuch auf dem nach dem Stadtteil benannten, mit 262 m größtem Hügel (Großer Çamlıca), von dem man einen atemberaubenden Blick auf beide Seiten der Megastadt Istanbuls und die im Marmara-Meer gelegenen Prinzeninseln hat.

Cicekci
C. ist Stadtviertel des Stadtbezirks Harem im Stadtteil Üsküdar, von dem man einen wunderschönen Blick auf die Altstadt des ehemaligen Konstantinopels hat und in dem jeden Mittwoch ein großer Obst- und Gemüsemarkt stattfindet.

D wie …

Dolmabahce-Palast
Der D. P. ist ein wunderschöner Palast im Stadtteil Beşiktaş (erbaut 1843 – 1856), der heute von Touristen besichtigt werden kann. Mustafa Kemal Atatürk starb dort am 10. November 1938 um 09:05 Uhr. Danach wurden alle Uhren im Palast auf 09:05 gestellt und angehalten. Die Uhr in seinem Sterbezimmer zeigt diese Zeit noch heute.

Dolmuş
Ein D. ist ein Sammeltaxi in der Größe eines Kleinbusses (ca. 10 – 12 Plätze). Die D. fahren auf festgelegten Strecken und halten auf Ansage, wenn man Aussteigen möchte, bzw. auf Handzeichen am Straßenrand zum Einsteigen, wenn noch freier Platz verfügbar ist. Das Fahrgeld wird während der Fahrt durch die Fahrgäste zum Fahrer durchgereicht, der während der Fahrt das Fahrgeld kassiert und gegebenenfalls Wechselgeld rausgibt, dass dann durch und zu den Fahrgästen zurück gelangt. Sollte man unbedingt mal erlebt haben.

E wie …

Emirgan-Park
Der E. ist ein wunderschöner öffentlicher Park im Stadtbezirk Sarıyer auf der europäischen Seite Istanbuls, der direkt am Bosporus liegt. Dort findet jedes Jahr im Mai eine einzigartige Tulpenausstellung statt.

Eyüp
E. ist ein Stadtteil auf der europäischen Seite von Istanbul und liegt am Goldenen Horn. Eine Fahrt zur dort gelegenen Eyüp-Sultan-Moschee und von dort mit einer Seilbahn über den Eyüp-Friedhof zum Café Pierre Loti ist ein Muss. Der Ausblick vom Café auf die Stadtteil am Goldenen Horn ist wunderschön.

F wie …

Fatih
F. ist eine Stadtteilgemeinde auf der europäischen Seite Istanbuls und entspricht ungefähr der von der Theodosianischen Mauer umschlossenen Altstadt von Istanbul – also dem alten Konstantinopel. Damit ballen suich hier die meisten bekannten und besuchten Sehenswürdigkeiten von Istanbul wie Topkapı Sarayı, Hagia Sophia, Hagia Irene, Blaue Moschee, Cisterna Basilica, Großer Basar, …

G wie …

Großer Basar (Kapalı Çarşı)
Der Besuch dieses historischen, überdachten Geschäftsviertel (errichtet im 15. Jahrhundert) ist ein großes Erlebnis und erfordert starke Nerven. Es gibt ca. 4.000 Geschäfte und Touris sind eine beliebte „Beute“. Ein kleiner, interessierter Blick nach links oder rechts und schon ist ein hartnäckiger Verkäufer da. Es hilft nur hart bleiben und bei einem möglichen Kauf unbedingt zu handeln. Dies gehört einfach dazu. Viel Spaß.

7. Februar 2009 (Wehmut und so)

So ist das Leben. Habe ich in meinem letzten Bericht noch voller Euphorie über die vor mir liegenden Wochen in Deutschland alles in rosaroten Farben beschrieben, so bin ich doch jetzt ziemlich betrübt. Morgen früh werde ich mich wieder auf den Weg nach Istanbul zu den Cems, Pinars, Ahmets, Ümits, Furkans … machen. Es ist natürlich nicht so, dass ich voller Grauen an die nächsten Wochen denke, aber es war eben doch sehr, sehr schön, wieder für längere Zeit in Deutschland zu sein. Meine Vorfreude auf die zwei Wochen in der Heimat wurde nämlich keinesfalls enttäuscht. Ich habe viele schöne Sachen erlebt. So habe ich viele Freunde wieder getroffen, endlich mal wieder bei der HSG Handball gespielt (und mich wie üblich auch verletzt ;-o), auf der Warnow (ohne Erfolg – egal) geangelt, meine Eltern besucht, das Ostseegymnasium besucht (war ich eigentlich weg) und vor allem schöne Stunden in Sildemow mit Tina verlebt. Ach so, und dann waren da noch einige vorsorgliche Arztbesuche und Werkstatttermine für unsere Knutschkugel namens Nissan Micra. Und so vergingen die Tage wie im Fluge.
Morgen abend werde ich wieder in meiner Wohnung in Istanbul sitzen und mathematische Probleme wälzen. Das wird mir sicher zunächst einmal sehr schwer fallen. Zumal mein nächster Besuch in Deutschland sehr kurz sein wird (3 Tage) und noch ziemlich lange auf sich warten lässt (Ostern). Bis dahin wird es viel Arbeit geben, da bin ich mir mit der Erfahrung des ersten Schulhalbjahres am Istanbul Lisesi sehr sicher. Neben dem alltäglichen „Wahnsinn“ warten nämlich auch viele Abiturarbeiten auf meine Korrektur. Wieder mal was Neues, weil es eben die Mathematik betrifft. Na ja, ich werde das schon packen; was bleibt mir auch anderes übrig. Nach Ostern sind es dann noch mal ebenso viele Wochen bis zu meinem nächsten Besuch in Deutschland. Ende Juni sind in Istanbul Ferien. Aber dann bin ich ca. 8 (in Worten: acht!!!) Wochen in der „kühlen“ Heimat im Norden. Und mit diesem Gedanken im Hinterkopf werde ich also ab morgen wieder motiviert und intensiv arbeiten müssen und können. Außerdem habe ich in Istanbul sehr nette und hilfsbereite Mitstreiter, auf die mich schon wieder sehr freue.
Okay, soweit zunächst einmal. Der nächste Bericht kommt wieder aus Istanbul. Bis dahin, bleibt schön neugierig. Euer Frank

28. Februar 2009 (Achterbahn)

Der Start ins zweite Schulhalbjahr war doch problematischer als gedacht. Habe ich meinem letzten Bericht noch vollmundig von einem motivierten und sofort voll durchstartendem Frank gesprochen, so sah dann die Realität ganz, ganz anders aus. Die Erinnerungen an die zwei wunderschönen Wochen in Deutschland ließen mich anfangs keinen klaren (mathematischen) Gedanken fassen. Ich war so richtig down, fast depressiv würde ich sogar sagen. Diese Gefühlslage kannte ich in abgeschwächter Form auch nach längeren Ferien in Deutschland, aber diesmal war alles viel schlimmer. Mich hat in der ersten Woche sprichwörtlich sogar die (nicht existierende) Fliege an der Wand gestört. Aber am ersten Wochenende nach dem Beginn des zweiten Schulhalbjahres gab es zwei schönere Erlebnisse und damit begann meine Gefühlslage sich doch merklich zu verbessern. Am besagten Freitag habe ich mit einigen Kollegen einen kleinen Skatabend veranstaltet. Ihr wisst ja, wie gerne ich Karten spiele. Und am Abend darauf hatten ein Kollegenehepaar (das aus den karnevalverrückten Regionen Deutschlands stammt – Auweia) zu einer kombinierten Faschings- und Geburtstagsparty eingeladen. Ein paar Bilder dazu sind in meiner Galerie zu sehen. Jedenfalls hatten sich einige recht witzig ausstaffiert und außerdem gab es schöne Musik zum Abzappeln. Der Tag nach dieser Party war dann auch der letzte mit ziemlicher Antriebsarmut. Ich habe mich nun doch wieder aufgerappelt und wieder Mut gefasst. Und mit diesem Gefühl geht natürlich alles viel schneller von der Hand, wobei ich damit insbesondere die Mathematik und ihre weltbewegenden Fragestellungen wie Differentialquotienten, bedingten Wahrscheinlichkeiten, Bernoulli-Ketten (kein Modeschmuck ;-)) … meine. In der Schule ist es nach wie vor ziemlich kalt und feucht von oben, aber dafür kriegen wir immer mehr Hightech, wie interaktive Whiteboards und so. Ist schon manchmal etwas widersinnig. Naja, jedenfalls haben wir nun zusätzlich ein so genanntes neues Ressourcencenter, eingeweiht am vergangenen Mittwoch durch einige MdB auf Bildungsreise, wie zum Beispiel Claudia Roth. Was sind wir berühmt.
Nun sind also schon wieder drei Wochen vergangen und bis Ostern sind es nur noch sechs. Übrigens braucht Ihr mich um das Wetter hier wahrlich nicht zu beneiden. In den vergangenen Wochen war kein Regen die absolute Ausnahme. Und dazu gibt es noch kalte Temperaturen und hässlichen Wind. Also warte ich wettermäßig genauso wie Ihr auf den Frühling. Meinen Balkon habe ich jedenfalls schon tagelang nicht mehr betreten.
Die nächsten Wochen werden für mich nun der bisherige Arbeitshöhepunkt. Das ich obligatorisch in meinen Klassen Klassenarbeiten schreiben und korrigieren muss, ist ja ganz normal. Damit werden am nächsten Freitag ca. 90 Schülerarbeiten auf meinem Schreibtisch liegen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. In der vergangenen Woche habe die 12. Klassen ihre Abiturarbeiten geschrieben. Diese werde derzeit vom Erstkorrektor kontrolliert und dann an die Zweitkorrektoren weitergereicht. Und einer dieser „glücklichen“ Menschen bin ich. Da kriege ich dann nochmal 48 Abi-Arbeiten in Mathematik dazu. Mir ist jedenfalls nicht ganz wohl bei diesem Gedanken. Schließlich ist die Korrektur von Abi-Arbeiten im Fach Mathematik wieder mal was Neues in meiner Lehrerlaufbahn. Hoffentlich packe ich das termin- und qualitätsgerecht. Aber diese Frage ist ja nur rhetorisch gemeint – ich muss es einfach schaffen. Und danach sind es nur noch drei Wochen bis Ostern. Und vorher werde ich mir wohl noch ein besonderes Highlight gönnen. Seit vorgestern ist ja klar, dass der HSV am 18. März in Istanbul gegen Galatasaray im UEFA-Cup (Rückspiel) antreten wird. Viele Kollegen (und ich denke auch ich) wollen diese Spiel zusammen mit den heißblütigen türkischen Fans live erleben. Das wird bestimmt geil. Mein Wusch: Der HSV kommt im Elfmeterschießen weiter.
Okay, soweit für heute. Ich werde versuchen, dass Wochenende zum Vorarbeiten zu nutzen, um dann mehr Zeit für die 138 Arbeiten zu haben. Das Wetter lockt ja hier auch wirklich nicht zum Bade. In der Galarie gibt es ein paar neue Bilder, darunter auch zwei unglaubliche Beispiele türkischer Improvisations- und Ingenieurskunst bezüglich der Ver- und Entsorgung. Ohne Worte. Es geht voran. Euer Frank

10. Februar 2013 (Letztmalig warten)

Es ist schon ein sehr komisches Gefühl. Ich fliege nun zum letzten Mal zur Arbeit nach Istanbul. Gerade sitze ich in Hamburg auf dem Flughafen und weiß nicht so recht, ob ich mich freuen oder weinen soll. Nun sind es noch gut vier Monate bis zu meinem Vertragende und ich merke mehr und mehr, dass mir der Abschied aus Istanbul unendlich schwer fallen wird. Natürlich freue ich mich, wieder nach Deutschland, zu meiner Familie, zu meinen Freunden … zurückzukehren. Das ist doch klar. Aber, ich werde das chaotische und pulsierende Istanbul und meine Schule und vor allem meine türkischen Schüler total vermissen. Wenn ich noch an die ersten Wochen am Bosporus zurückdenke …; ich hätte nie gedacht, dass ich eine solche Wehmut empfinden würde. Und, mal wieder so ein Spruch für’s Phrasenschwein: Wo sind die fünf Jahre geblieben? Manchmal ist mir so, als wäre ich noch im ersten Jahr. Okay, was soll’s. Ich werde die nächsten vier Monate noch einmal intensiv genießen.
Und intensiv werden die nächsten Wochen arbeitstechnisch auf jeden Fall. In der kommenden Woche beginnt an unserer Schule die schriftliche Abiturprüfung. Diesmal stehe ich im schulinternen Korrekturranking sogar auf Platz 2. Das ist aber in diesem Zusammenhang kein wirklicher Grund zur Freude, weil ich insgesamt 44 Abiturarbeiten in Mathematik als Erst- oder Zweitkorrektor begutachten muss. Ich denke, dass im Durchschnitt so 8 bis 10 Blätter (A4; beidseitig beschrieben) pro Schüler zu erwarten sind. 44 mal 9 ist rund 400. Allaaaaah. Ja ja, ich höre schon die Lästermäuler: Du musst für Dein Geld auch mal was tun. Recht habt Ihr. 😉
Morgen wartet aber erstmal der von mir so ungeheuer „geliebte“ Montag (und dann noch nach Ferien) auf mich. Ich bin ja so was von motiviert. Aber ich bin diesmal gut vorbereitet. Nein, nicht was Ihr denkt. Ich habe lange Unterwäsche dabei, denn die Schule wird sicher Kühlschranktemperaturen haben, denn in den Ferien wird nicht geheizt.
Apropos Ferien: die zwei Wochen in Deutschland sind leider mal wieder zu schnell vergangen. Ich habe so viele schöne Dinge gemacht und erlebt: Enkeltochter besucht, Westrügen erkundet, Handball gespielt, Doppelkopf gedroschen, die Eltern besucht …; aber leider nicht geangelt. Die Seen waren leider eisbedeckt und die Ostsee zu stürmisch. Dafür durfte ich alternativ mehrmals Schnee schieben. Ist ja auch ganz schön. Und in Sildemow war es wirklich winterlich – Schnee und Sonne sind schon was Tolles. Wenn ich das nächste Mal komme, wird alles grün sein. Mein nächster Flug nach Deutschland findet am 22. Juni statt; und es ist meine letzter Heimflug. Keine Angst, ich werde jetzt nicht melancholisch. 😉
Ich steige gleich, motiviert bis in die Haarspitzen, in mein Flugzeug und werde den Komfort von turkish airlines genießen. Auf geht’s zur letzten Runde. Und nicht weinen; bis zum Sommer gibt es noch einige Berichte. Passt auf Euch auf. Euer Frank

22. Februar 2013 (Haken, Haken, kein Haken …)

Nein, ich stehe nicht mit vielen anderen Einheimischen auf der Galatabrücke und mache Jagd auf die ganz großen Fische, wobei ich dort eher nur die ganz kleinen, aber leckeren Hamsis (sprottenähnlich) an den Haken zappeln sehe.
Vielmehr sitze ich seit Mittwoch Abend kleine wichtige rote Häkchen an die Abiturarbeiten meiner Schüler und diese Tätigkeit wird mich in den nächsten Tagen und Wochen noch ziemlich beschäftigen. Es ist also mal wieder und (leider) zum letzten Mal soweit. Ich korrigiere die Arbeiten von Mehmet, Ahmet, Umut, Sena, Iremsu, Ecem … Nächstes Jahr heißen sie dann wohl eher Max, Paul, Dennis, Laura, Julia, Lisa … Und wieder: Ich freue mich auf Deutschland und ich werde Istanbul sicher sehr vermissen. Am zweiten ändert auch die Tatsache nichts, dass ich insgesamt 42 Abiturarbeiten vor mir habe. Ich werde es schaffen und dabei wieder einiges dazu lernen. Heute bin ich jedenfalls gut voran gekommen und habe die Lösungswege meiner Schüler immer schneller begriffen. Das macht echt Mut. Und so kann ich mir sogar den Luxus leisten, jetzt ein paar Zeilen für Euch zu schreiben; sozusagen als Belohnung. Und vielleicht finde ich nachher im Internet noch einen Stream vom Freitagsspiel der Bundesliga. Mal sehen.
Die ersten zwei Wochen des zweiten Halbjahres sind also nun auch schon wieder Geschichte. Und natürlich stand die organisatorische Vorbereitung und Durchführung unseres schriftlichen Abiturs im Mittelpunkt. Das ist nun geschafft und fast alle Kollegen haben, wie ich, einen Riesenberg Papier auf dem Tisch. Und es gibt kaum einen, der an diesem Wochenende nicht ein Dauerrendezvous mit seinem Schreibtisch hat. Nebenbei gab es gestern noch eine Hiobsbotschaft für mich. Anfang Januar wurde von irgendwelchen brasilianischen Schwachköpfen die Website unserer Schule „gehackt“, für deren Aktualisierung und Pflege ich ja mehr oder weniger verantwortlich bin. Nachdem mir nun in den Ferien ein ehemaliger Schüler (Danke Jonas) mit einer Notlösung bei der Wiederherstellung geholfen hat, ist sie nun „endgültig“ vom Hoster gesperrt worden, weil er die Infizierung mit Schadsoftware registriert hat. In einer Mail hat man mir die Schritte zur Lösung des Problems mitgeteilt, aber das sind für mich nur böhmische Wälder. Ich baue also noch einmal auf Jonas. Das Ganze ist aktuell natürlich nicht sehr erquicklich.
Aber ich denke zur Zeit eher mehr ans Abi … und danach wartet sicher ein zauberhafter Frühling mit zunehmendem Sozialstress (Ausflüge, Parties …) auf mich und meine Kollegen. Einen Vorgeschmack darauf erlebe ich schon am nächsten Wochenende und lässt mich dieses Wochenende noch motivierter arbeiten. In einer Woche um diese Zeit werde ich in Antalya landen und hoffentlich, wie in den zwei Jahren zuvor, ein Wochenende mit frühlingshaften Temperaturen und viel Sonne genießen. Ich nehme wieder als 10 km -Läufer am Runtalya teil und möchte eigentlich diesmal weniger als eine Stunde für diese Strecke brauchen (letztes Jahr 01:01 h). Aber leider habe ich mich natürlich mal wieder nicht darauf vorbereitet. Es ist jedes Mal dasselbe. Naja, wie das eben so ist, mit den guten Vorsätzen. Trotzdem freue ich mich natürlich sehr auf diese kleine Reise.
In meiner Wohnung stehen inzwischen die Zeichen auch schon ein bisschen auf Abschied. Ich habe mich letzte Woche mal wieder „kurz“ mit meinem sehr redseligen Vermieter getroffen, über meinen Auszug gesprochen und konnte ihm dabei mitteilen, dass ich schon einen deutschen Nachmieter gefunden habe. Zwei Tage vorher war eine Kollegin bei mir, die im nächsten Schuljahr am Istanbul Lisesi anfängt und sie möchte meine Wohnung (mit Möbeln!) mieten. Das ist prima, weil ich dann noch ein bisschen Geld für mein Mobiliar bekomme.
So, soweit erstmal. Ich werde jetzt noch ein wenig Fußball gucken und dann schlafen gehen. Morgen will ich ordentlich was wegkorrigieren – Haken, Haken, kein Haken …
Passt auf Euch auf. Euer Frank

3. Januar 2009 (Über den Wolken auf Wolke 7.)
Die letzten Tage des Jahres 2008 in Istanbul waren nur von der Vorfreude auf Deutschland beherrscht. Und so weiß ich eigentlich gar nicht mehr so richtig, was eigentlich passiert ist. Wochenlang hatten meine zwei Kollegen (Hilde und Matthias) und ich vom Abend des 23. Dezember geträumt. Unser Plan: Wir treffen uns am Abend bei Hilde in der Wohnung auf der europäischen Seite von Istanbul, kochen, trinken Glühwein und bereiten uns so gemeinsam auf den Flug nach Deutschland am frühen Morgen des 24. Dezembers vor. Was soll ich sagen?! Es war wunderschön bei selbst gemachtem Glühwein, leckerem Essen, Kaminfeuer und abschließendem Dominospiel. Und außerdem setzte pünktlich zu Weihnachten auch in Istanbul das schmuddelige Winterwetter ein. Seit Weihnachten sind auch in Istanbul die schönen Tage mit Temperaturen über 10 °C und wärmenden Sonnenstrahlen vorbei. Statt dessen gibt es Kälte, Wind, Regen und Schnee. Like Germany im November. Dementsprechend und fast schon erschreckend hoch fiel meine Gasrechnung aus – 211 YTL (ca. 110 Euro) für einen Monat. Das hat mich motiviert, endlich mal heraus zu finden, welches der unbeschrifteten Ventile meiner Fußbodenheizung für welches Zimmer zuständig ist. Wobei ich nicht wirklich optimistisch bin, meine Heizkosten zu senken. Schließlich habe die vielen Fenster meiner Wohnung nur eine einfache Verglasung. Na ja, der nächste Sommer kommt hoffentlich bald. Die Weihnachtsfeiertage in Deutschland verliefen dann wie im Traum. Tina, Familie, eigenes Haus … Am 28. Dezember bin (musste) ich dann für drei Tage zurück nach Istanbul, weil dort zwischen Weihnachten und Neujahr Unterricht stattfindet. Leider wurde in der Schule über die Weihnachtsfeiertage die Heizung abgestellt. Als ich am Montag zum Unterricht kam, konnte ich im Klassenraum meinen eigenen Atem sehen. Da habe ich eben im Mantel unterrichtet, vor mir Schüler mit Mützen, Jacken und Handschuhen. Aber die Schule sieht von aussen wirklich toll aus, wirklich! Am Abend des 29. Dezembers 2008 hatte ich dann noch einen Besuch der besonderen Art. Mein türkischer Möbelhändler Mustafa war da – was für ein Wunder. Nachdem ich eine Woche zuvor unangekündigt mit Unterstützung von Ebru (unsere Sekretärin) und ihrem Freund in seinem Geschäft war, schien sich doch sein schlechtes Gewissen etwas geregt zu haben. Schließlich hatten Ebru und ihr Freund ihm wohl deutlich zu verstehen gegeben, dass die von ihm gelieferte Bettkonstruktion selbst türkischen Ansprüchen nicht genügt – siehe letzter Bericht. Nun sieht mein Bett ganz anders aus, aber ich habe die Hoffnung, nicht wieder schon nach wenigen Wochen ein durchgelegenes Bett zu haben. Sehr schön war dann die Silvesterparty bei einer Kollegin auf der asiatischen Seite von Istanbul. Es waren ungefähr 40 Leute aus Deutschland, England, den USA und der Türkei da. Angesichts der tollen Stimmung habe ich mich da spontan entschieden, nicht mehr zu schlafen und bin gleich von dort zum Flughafen gefahren. Ja, ihr lest richtig, am 1. Januar 2009, 08:10 Uhr ist Franki erneut vom Flughafen Atatürk/Istanbul nach Deutschland geflogen. Warum? Wie immer hat mein Vater am Neujahrstag Geburtstag. Diesmal war es ein runder Geburtstag (der 70.) und das war für mich Anlass genug, als Überraschungsgast in Wismar zu erscheinen. Was soll ich sagen? Die Überraschung ist gelungen, die feuchten Augen meiner Eltern sprachen jedenfalls Bände. Nun ist der 3. Januar 2009. Morgen werde ich wieder zurück nach Istanbul fliegen. Natürlich fällt mir das irgendwie sehr schwer. Schließlich verlasse ich viele, viele liebenswerte Dinge. Aber, in ca. 3 Wochen fliege ich erneut für zwei Wochen (Semesterferien in der Türkei) nach Deutschland. Keine Angst, ich habe schon eine Vielfliegerrabattkarte beantragt.
Tja, da sind wir also nun im Jahr 2009 angekommen. Wenn dieses Jahr so schön und aufregend wird wie das vergangene, dann kann ja nichts mehr schief gehen. Ich werde dann viel Arbeit, aber auch Freude haben und mich nicht über Langeweile beklagen können. Ich hasse Langeweile.
Euch allen wünsche ich viel Erfolg für 2009. Wir packen das.
Euer Frank

17. Januar 2009 (Müde und glücklich)
Sonnabend 22:30 Uhr. Eigentlich bin ich ziemlich müde, aber ich möchte Eure eventuelle Neugier noch mit einem neuen Bericht befriedigen. Außerdem weiß ich nicht, ob morgen (obwohl Sonntag) die Zeit reicht. Schließlich muss ich Unterricht vorbereiten, wobei ich gar nicht so recht weiß, ob ich dann auch zum Unterricht komme. Dazu später noch die Erklärung.
Also, die letzten zwei Wochen waren wirklich aufregend und anstrengend. Zunächst musste ich in der ersten Januarwoche die obligatorischen dritten Klassenarbeiten schreiben und natürlich dann auch schnell kontrollieren. Deadline für die Notenerteilung, Notenfestlegung und Notenabgabe war nämlich der 15. Januar. Und wie es erfahrungsgemäß so ist, häufen sich dann die Klassenarbeiten. Und hier läuft dies wirklich ziemlich chaotisch ab, denn es gibt keinen Klassenarbeitsplan. Als Fachlehrer ist man nur aufgefordert, den gewünschten Termin in das Klassenbuch einzutragen, damit es nicht dazu kommt, dass mehr als zwei Arbeiten pro Tag geschrieben werden. Also hat sich Franki plichtgemäß entsprechende Termine per Eintragung gesichert, dachte er zumindest. Plötzlich waren dann jedoch Vergleichsarbeiten (von türkischer Seite) zu den von mir reservierten Terminen angesetzt. Da ich aber keine Ausweichtermine mehr hatte, führte dies zu einer Häufung von bis zu vier Klassenarbeiten pro Tag. Die Schüler haben mir echt leid getan, aber meine Schuld war es nicht. In Deutschland wäre dies sicher rechtlich nicht möglich gewesen. Hier scheinen mir die rechtlichen Möglichkeiten der Schüler dann doch stärker eingeschränkt zu sein. Jedenfalls wurden die Arbeiten tatsächlich nach dem „neuen Plan“ durchgezogen. Ich habe meine Arbeiten also geschrieben und dann in einer Hammeraktion in wenigen Tagen kontrolliert. Außerdem habe ich dann außerdem noch die zweiten mündlichen Noten erteilt. Das ist auch so eine spannende Sache, da die Schüler prinzipiell sehr gute Noten erwarten und dann arg enttäuscht und entsetzt sind, wenn … Einige Schüler haben mir dann nach Aufforderung in schriftlicher Form ihre Sichtweise dargestellt und natürlich bessere Noten gefordert. Außerdem hatte ich dazu dann auch noch das eine oder andere Elterngespräch. Fazit für mich: Ich muss noch härter werden. Die Diskussionen haben jedenfalls ganz schön genervt. So, schließlich waren alle Noten diskutiert und festgelegt. Soweit, so gut. Dann kam die nächste Hürde. Hier gibt es inzwischen ein zentrales Zensurenerfassungssystem – eine unheimlich wichtige, neuartige Kreation des türkischen Bildungsministeriums. Diese neue Wunderwaffe heißt e-okul (elektronische Schule) und verpflichtet uns, unsere Noten in einen landesweiten zentralen Datenbank einzugeben. Da dieses System aber noch sehr jung (also auch logischerweise mit Macken behaftet) ist und nun plötzlich viele Lehrer gleichzeitig Noten eingeben mussten, waren die Eintragungen mit langen Ladezeiten und häufigen Systemfehlern verbunden. e-okul hat durchaus Chancen auf das Unwort des Jahres 2009, meine ich. Okay, auch dies haben meine Kollegen und ich geschafft. Die Hoffnung, sich nun wieder endgültig seiner Hauptaufgabe zuwenden zu können, nämlich Unterricht zu erteilen, hat sich aber trotzdem nicht erfüllt. Nach dem Erteilen der Endnoten für das Schulhalbjahr läuft hier im Unterricht eigentlich nichts mehr. Die Schüler sind entweder nicht da oder auf das Schauen von Videos eingestellt und arg entsetzt, wenn man unterrichten will. Da erntet man schon Blicke, als wäre man ein Außerirdischer und/oder verrückt ist. Deshalb auch meine obige Vermutung, dass meine Unterrichtsvorbereitungen für den kommenden Montag schon für den Februar gedacht sein könnten. Trotz allem gibt es auch ein (grandioses) Erfolgserlebnis aus der Schule. Ich habe es bis letzten Freitag tatsächlich geschafft, einen Computerraum mit 16 Rechnern softwareseitig völlig neu zu bestücken und an das Internet anzuschließen. Darauf bin ich wirklich ziemlich stolz. Vielleicht findet Ihr dazu in den nächsten Tagen in meiner Fotogalerie ein Bild, dass zumindest die Schwierigkeit der Aufgabe, einen Internetanschluss herzustellen, erahnen lässt.
Nun noch zu den letzten zwei Tagen. Gestern Abend war ich zu einem Klassikkonzert aus Anlass des 125-jährigen Bestehens des Istanbul Lisesi. Das war ein unglaubliches Erlebnis. Das Orchester war absolute Spitze und spielte dazu noch sehr schöne Stücke von Haydn und Mozart. Die Krönung jedoch war der Solist einer Sinfonie von Mozart für Klavier und Orchester. Da sitzen 30 gestandene Musiker im Orchester und dann zelebriert am Klavier ein zwölfjähriger Wunderknabe aus der Türkei Mozarts Musik und begeistert die Massen mit seinem perfekten Spiel. Es war einfach unbeschreiblich und bei den anschließenden standing ovations standen mir wirklich die Tränen in den Augen. Nach dem Konzert bin ich dann mit einigen Kollegen noch in ein Restaurant zum Essen gegangen. Nach dem Stress der letzten zwei Wochen haben wir dann zu vorgerückter Stunde noch beschlossen, den einen oder anderen Musikklub zu besuchen. Davon gibt es hier (in der Nähe der Istiklal – Flaniermeile Istanbuls) unzählige. Der erste Klubbesuch war ein Erlebnis besonderer Art. Ich habe nichts gegen laute Musik, aber die dortige Beatfrequenz und Lautstärke grenzte schon fast an Körperverletzung. Da vibrierte sogar das Bier im Glas – also habe wir nochmal die Lokanta gewechselt und sind (wieder) ins Araf gegangen. Da war es dann wirklich toll, Musik, Leute und ordentlich „abzappeln“. Morgens um halb fünf war ich schließlich zu Hause. Und heute war dann mal wieder IKEA-Tag. Zusammen mit einem Kollegen haben wir erneut Geld ausgegeben und unsere Wohnungen weiter aufgehübscht. Den Lieferservice von IKEA brauchten wir nicht in Anspruch zu nehmen. Wie gehofft, warteten vor dem Möbelhaus schon geschäftstüchtige (schwarzfahrende) Fuhrunternehmer, die uns für erschwingliche Kosten samt unserer Einkäufe nach Hause brachten. Und so habe ich bis vor einer Stunde erfolgreich weitere Möbel in meiner großen Wohnung montiert – langsam wird es wohnlich. Tja, und so sind also wieder zwei Wochen wie im Flug vergangen.
Und, apropos Flug, in sechs Tagen steht mein nächster Trip ins geliebte Deutschland an, und diesmal für zwei lange Wochen. Ich werde meine geliebte Tina wiedersehen, Freunde treffen, das vermisste OGR besuchen, Angeln gehen, Handball spielen … Ich kann es kaum erwarten Okay, jetzt ist es genau 00:00 Uhr Istanbuler Zeit. Ich werde jetzt schlafen gehen. Das Leben ist schön. Euer Frank

4. Januar 2013 (Zwei Herzen …)
Das erste Wochenende des letzten Jahres meines Aufenthalts in Istanbul hat begonnen. Einerseits ist da doch schon ein etwas wehmütiges Gefühl, aber andererseits freue ich mich auch schon sehr auf die Rückkehr nach Deutschland.
Da sind auf der einen Seite die unglaublichen Schüler. Nicht sehr ordentlich, nicht immer pünktlich, manchmal sehr laut, aber so freundlich, liebenswert, aufgeschlossen, schlau und ziemlich wissbegierig. Und nicht zu vergessen: Istanbul. Einige von Euch haben diese Stadt und ihre Menschen ja live erlebt. Sie macht schon ein bisschen sprachlos, oder?!
Aber, Heimat ist Heimat, Familie ist Familie. Da geht eben nichts darüber. Und, das Leben hier in Istanbul offenbart auch einige Probleme. An die Widrigkeiten des Alltags (siehe auch weiter unten) mit all den fehlenden Verlässlichkeiten habe ich mich schon fast gewöhnt, aber manchmal nervt es auch ein wenig. Und, das Leben hier hat sich in den letzten fast fünf Jahren doch erheblich verteuert. So sind die Preise für viele alltägliche Dinge (Verkehrsmittel; Lebensmittel; …) in dieser Zeit fast auf das Doppelte gestiegen. Nein, nein, ich nage nicht am Hungertuch, aber das unbeschwerte Gefühl, nicht auf jede türkische Lira schauen zu müssen, geht mehr und mehr verloren. Ich frage mich immer öfter, wie der einheimische Durchschnittsverdiener in der Lage ist, diese Lebenshaltungskosten aufzubringen. Okay, ich höre ja schon auf, die Gesamtsituation zu analysieren.
Was ist also aktuell hier passiert? Wie im letzten Bericht erwähnt, hatten wir ja am 21. Dezember schneefrei, so dass ich in aller Ruhe und Gelassenheit den Weg zum Atatürk-Flughafen antreten konnte. Aus Erfahrungswerten bin ich diesmal recht früh dort gewesen und … habe mich nicht geirrt. Chaos ohne Ende und diesmal sogar einen dreimaligen Gate-Wechsel, bis endlich klar war, wo das Flugzeug startet – neuer Rekord und Gratis-Fitnesstraining mit gruppendynamischen Erlebnissen. Mit mir waren nämlich noch vier weitere Kollegen auf der Jagd nach dem richtigen Gate und auf unserer Hatz haben wir auch noch viele, an anderen Gates wartenden Kollegen, getroffen. Der Flieger ist dann mit 1,5 Stunden Verspätung gestartet und tatsächlich nach Hamburg geflogen. Dann war Weihnachten – wie immer einfach nur schön. Am 26. Dezember musste ich dann nach Istanbul zurückkehren und hatte wie immer zwischen Weihnachten und Neujahr zwar offiziell Unterricht, aber Schüler waren (auch wie immer) fast keine da. Also habe ich die Zeit zur Korrektur von Klassenarbeiten und zur Arbeit an den Computern intensiv und (hört, hört) erfolgreich genutzt. Unglaublich, aber es scheint so, dass ich so in zwei Wochen, die im September begonnene Einbindung von 32 neuen Computern in unsere Schule beenden werde. Halt, Korrektur, es sind nicht 32 sondern nur 23 Computer. 9 (in Worten neun), der aus dem türkischen Pro-Market gelieferten 32 Computer sind hardwareseitig defekt. Noch Fragen? Gut, das soll nicht mein Problem sein.
Heute früh fuhren die Fähren nicht, weil ziemlich starker Nebel über dem Bosporus herrschte. Also, war wieder nicht an geordneten Unterricht zu denken. Wie am Freitag vor Weihnachten, an dem der Unterricht komplett (schneefrei) ausfiel. Für die nächste Woche ist wieder winterliches Wetter vorhergesagt. Da sind aber auch viele Klassenarbeiten angesetzt. Ein Schelm, wer dabei Arges denkt. 😉
Da gucke ich doch einfach mal auf meinen Kalender und stelle fest, dass heute in drei Wochen mein Flug nach Deutschland startet. Das ist doch wohl Motivation genug, oder?! Das neue Jahr wird bestimmt sehr aufregend und sicher nicht langweilig. Hoffentlich klappt meine Regermanisierung.
Euch allen wünsche ich jedenfalls auch ein aufregendes, spannendes und vor allem erfolgreiches Jahr 2013. Ich hoffe, dass Ihr weiterhin mal auf meiner Website vorbei schaut. Macht’s gut. Euer Frank

18. Januar 2013 (Unterricht – episodisch :-))
Schon wieder wartet der nächste Deutschland-Urlaub auf mich und diesmal nicht nur für ein paar Tage. Nein, es gibt 2 Wochen Semesterferien …
… und wenn man die so genannte Wissenschaftswoche in unserer Schule ab kommenden Montag noch addiert, sind es sogar drei. In dieser, von den Schülern organisierten Woche, stellen sich Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen mit Vorträgen und Seminaren vor. Die Idee ist ziemlich gut, finde ich, die Organisation und Durchführung weniger. Wie schon in den Vorjahren gibt es zwar Teilnehmerlisten, aber die kontrolliert eh keiner. Also macht jeder, was er will. Nur in einem sind sich alle Schüler einig: Meide den Klassenraum, sonst droht Unterricht. 😉 Und, wer will das schon? Also, werde ich die Klassenräume aufsuchen, zwei bis drei anwesende Schüler in der Anwesenheitsliste eintragen und mich dann anderen Dingen (z. B. den Computern) widmen. Und, auch auf Erfahrungswerten beruhend, werden dann einige notwendige Sitzungen (Fachschaft; deutsche Abteilung) abgehalten. Däumchen drehen ist also trotzdem nicht angesagt. Nur Unterricht ist eben nicht zu erwarten. Wozu auch? Es fällt ja sonst kaum welcher aus; außer die Schüler verlängern sich selbst ihre Ferien (21.12.2012 bis 02.01.2013) oder es gibt schneefrei (08.01 und 09.01.). 😉 Die Vorsilbe „un“ bedeutet meistens was Schlechtes: Unterricht. Das erste Halbjahr ist also gelaufen. Ich habe meine Aufgaben erfüllt: Alle Noten sind erteilt und bei e-okul eingehämmert.
Also kann ich nun ein entspanntes Wochenende genießen. Ich werde viel Sport gucken (Biathlon; Handball und Fußball), Papiere sortieren und mich mental und organisatorisch auf das derzeit doch sehr kalte Deutschland vorbereiten. Die Temperatur hier beträgt gerade 14° C. Am Dienstag und Mittwoch habe ich auf der Fähre draußen in der Sonne gesessen und musste bei der Wärme meinen Mantel ausziehen. Aber, keinen Neid bitte, nächste Woche soll hier auch wieder der Winter einziehen. Der Frühling ist auch hier noch lange nicht da. Und, dann werde ich wieder etwas frieren, weil meine Heizung immer noch nicht richtig funktioniert und inzwischen wieder leckt. Es macht also wieder regelmäßig „Plopp“ in der korrekt positionierten Plastikschüssel (Farbe rosa, dank Uta und Henk ;-)) unter der Kombiheizung in der Küche. Aber ich werde meinen Vermieter erst in der kommenden Woche darüber informieren. Dann kann er während meines Deutschlandaufenthalts mit seinen „Fachkräften“ zur Reparatur anrücken. Ich kann das sinnlose Gelabber und dilettantische Geschraube gerade nicht so recht ertragen. Clever, oder?! Letzten Freitag war ich übrigens zum ersten Mal beim Basketball. Alba Berlin hat in der Euro-League gegen Efes Pilsner Istanbul (ohne Bierausschank ;-)) gespielt. Naja, das Spiel war ganz interessant, aber sehenswerter war das „Auszeitenprogramm“ (siehe Galerie). Morgen Abend steht mal wieder eine Party bei einem Kollegen an. Tja, und damit hat es sich derzeit auch schon an sozialen Aktivitäten. Diesbezüglich wird das zweite Halbjahr in der Zeit nach den mündlichen Abiturprüfungen (Anfang Mai) sicher wieder viel anstrengender. Dann beginnt auch meine Abschiedstour. Schluchz.
Okay, soweit sind wir noch nicht. Erstmal warten zwei Wochen in Deutschland auf mich. Und an die danach bevorstehenden Korrekturen von Abiarbeiten (diesmal 44!!) versuche ich noch gar nicht zu denken.
So, jetzt schnell noch ein bisschen was essen und dann ab vor den Fernseher zur Handball-WM. Passt gut auf Euch auf. Euer Frank

6. Dezember 2008 (100 Tage Istanbul)

In Deutschland ist es in der großen Politik ja Sitte nach 100 Tagen der Arbeit einer neuen Regierung ein erstes Resümee zu ziehen. Nun bin ich natürlich nicht so wichtig wie unsere Regierung, aber trotzdem möchte ich einfach mal über meine Situation in dieser unglaublichen Stadt nach nunmehr genau 105 Tagen Aufenthalt „philosophieren“. Es kann sein, dass dieser Versuch relativ positiv ausfällt, denn mein Gemütszustand ist derzeit fast euphorisch zu nennen. Warum? In diesem stark islamisch geprägten Land steht der Kurban Bayram ins Haus. Das ist so eine Art islamisches Schlachtefest. das sich aber im Gegensatz zu Deutschland nicht auf ein Wochenende (z. B. in Thüringen – Gruß an Ede) erstreckt, sondern eine ganze Woche dauert. Und das heißt im Klartext – Ferien. Somit habe ich nun eine lange Woche frei und dann sind es nur noch wenige Tage bis Weihnachten und damit meinem Urlaub in Deutschland. Ihr könnt Euch kaum vorstellen, wie sehr ich mich darauf freue. Das Wort „Vorfreude“ erfasst in diesem Jahr nicht mal ansatzweise die Dimension meiner Gefühle. Übrigens trägt die derzeitige Wettersituation zu meiner Europhie (Danke Joachim Krol in „Wir können auch anders“ ;-)) nicht unwesentlich bei. Wir haben seit Tagen Sonnenschein mit Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad. Und so sitze ich jetzt (Freitag, 6. Dezember 2008 um ca. 17:30 Uhr) entspannt und nicht frierend auf meinem Balkon und schreibe diesen Bericht. Nicht weinen, auch bei Euch wird mal wieder die Sonne scheinen. Da bin ich ganz zuversichtlich, eigentlich. Auch wenn es bei Euren (von mir aus der Ferne mit Bedauern registrierten) Wetterverhältnissen kaum vorstellbar ist.

Was haben die letzten Wochen nun so gebracht? Zunächst einmal das Übliche, nämlich viel Arbeit und das Ergründen der Tiefen der Mathematik. Diesbezüglich bin ich bei Weitem noch nicht über den Berg, habe aber doch zunehmend Erfolge bei der Wiederbelebung der entsprechenden grauen Zellen. Die zweite Runde der Klassenarbeiten habe ich auch erledigt, die Korrekturen harren aber noch ihrer Dinge. In meinem Arbeitszimmer liegen vier dicke Stapel mit Klassenarbeiten. Davon lasse ich mir aber jetzt die Laune nicht verderben. Spannend war auch der 23. November, an dem die ersten Klassenelternversammlungen durchgeführt wurden. Hier läuft das doch etwas anders ab. Die Eltern sitzen ab dem Nachmittag im Klassenraum ihrer Kinder und wir als Fachlehrer besuchen nacheinander alle Klassen um unsere Einschätzung zur Klasse und zu den Schülern kund zu tun. Natürlich mit Dolmetscher/in aus den Reihen der Schüler/innen. Ich war jedenfalls heilfroh, als ich meine Runde absolviert hatte. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass die Position (das Ansehen) eines Lehrers hier nicht nur gefühlt viel höher ist als in Deutschland. In deutschen Landen ist doch (etwas überspitzt formuliert) der Lehrer manchmal (oder auch öfter) die Eiche an dem sich jede Sau schubbert. Hier ist der ögretmen doch eher eine sehr angesehene Person. Ausdruck dessen sind auch folgende Gegebenheiten. Seit dem offiziellen türkischen Lehrertag vor zwei Wochen dürfen die Lehrer bis zum Ende des Jahres kostenlos die Fähren über den Bosporus nutzen. Das heißt im Klartext, dass ich jeden Tag for nothing zwei Mal den Kontinent wechsle – nette Geste. Außerdem hatten wir am vergangenen Freitag in einem ziemlich noblen Restaurant eine Lehrertagsfeier, die kaum Wünsche offen ließ. Essen (drei Gänge) und Trinken (ad libitum; bei mir ziemlich viel Raki) waren umsonst. Und dazu gab es eine türkische Disco. Die Musik wurde mit zunehmendem Konsum alkoholischer Getränke immer besser. Zum Schluß tobte der Saal und Franki mittendrin. Dementsprechend hatte ich am nächsten Morgen etwas Uhumini und hätte gerne etwas länger geschlafen. Ging aber nicht, weil am Alman Lisesi (eine andere deutsche Schule in Istanbul) am Sonnabend ein schon traditioneller deutscher Weihnachtsmarkt statt fand, an dem wir mit der Betreuung eines Standes beteiligt waren. Dieser Weihnachtsmarkt bietet ein bisschen deutsche Vorweihnachtsstimmung und vor allem auch typisch deutsche Produkte wie Weihnachtsschmuck und kulinarische Köstlichkeiten an. Seit dem bin ich stolzer Besitzer von Brathering (unglaublich), Heringsfilet in Tomatensauce (kaum vorstellbar), Thüringer Leberwurst im Glas (ich kriege mich kaum ein), Lübecker Marzipan (jeden Tag gibt’s nur ein Stückchen) … Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie lecker solche eigentlich profanen Dinge schmecken können. Sie ersetzen geradezu Lichterketten und Adventskränze und werden mir die noch bis Weihnachten verbleibenden 19 Tage sicher verkürzen. Was sind schon 19 Tage bei schon absolvierten 105.

Ach ja, da ist ja noch das Resümee der vergangenen Wochen offen. Ich muss sagen, dass sich die anfängliche Verzweiflung doch ziemlich gelegt hat. Die Schule ist nun bei allen Widrigkeiten kein „Ort des Grauens“ mehr. Und die Stadt muss man einfach selbst erleben. Ich glaube, dass ich die Aufgabe hier bewältigen werde und meine Entscheidung, zeitweise hier zu leben und zu arbeiten nicht falsch war. Natürlich fehlt mir vieles aus Deutschland, aber ich habe andere Dinge und Sichtweisen dazu gewonnen – z. B. wie kulinarisch wertvoll eine Fischbüchse sein kann ;-). Die bisherigen 100 Tage in Istanbul waren schon sehr aufregend und spannend. Und ich werde mich sicher auch in Zukunft nicht langweilen und auch Spaß haben, denn schon …

… 100 Tage Istanbul waren ca. 250 traumhafte Fährüberfahrten.
….100 Tage Istanbul haben meinen passiven türkischen Wortschatz bisher um mindestens 100 Worte erweitert (aktiv ist er noch zweistellig).
… 100 Tage Istanbul bedeuteten fast 100 neue Schüler/innen.
… 100 Tage Istanbul brachten mir mehr Teegenuss als in meinem gesamten bisherigen Leben.
… 100 Tage Istanbul ließen mich viele bezaubernde Sonnenuntergänge am Bosporus erleben.
… 100 Tage Istanbul haben hunderttausende verstaubte (mathematische) Zellen in meinem Kopf neu verdrahtet.
… 100 Tage Istanbul ließen mich viele neue, interessante Menschen kennen lernen.
… 100 Tage Istanbul bedeuten jeden Tag ein neues Konzert hupender Autos.
… 100 Tage Istanbul haben mich auch 100 Mal zum Kopfschütteln über die Widrigkeiten des türkischen Alltags veranlasst.
… 100 Tage Istanbul haben mich gelehrt, mehr Gelassenheit zu entwickeln.
… 100 Tage Istanbul haben mir gezeigt, was mir Deutschland bedeutet.
… 100 Tage Istanbul machen gleichermaßen mehr Lust auf Istanbul und auf die Heimat im kühlen Norden.

Ich freue mich riesig auf Weihnachten, auch ohne Lichterketten, Dominosteine, Schokoladen-weihnachtsmänner und Kerzen. Die Tage bis dahin sind nur noch ein Wimpernschlag.
Euer Frank

20. Dezember 2008 (Wenig Sonne, na und.)

Wie sehr habe ich mich nach den kürzesten Tagen des Jahres gesehnt. Nein, ich liebe die Dunkelheit nicht wirklich. Aber diese nur äußerlich düsteren Tage sind der persönliche Countdown für meinen ersten Urlaub in Deutschland, und Weihnachten. Anfangs habe ich Monate gezählt, dann Wochen, schließlich Tage und nun sind noch weniger als 100 Stunden. Ich glaube, nur als Kind habe ich mich je mehr auf Weihnachten gefreut wie jetzt. Und es wird sicher wirklich eine totale Überraschung werden. Überall Lichterketten und weihnachtlich Stimmung. Davon ist hier in Istanbul natürlich nichts zu sehen. Ein bisschen Weihnachtsstimmung habe ich vor allem bei der Jagd nach Geschenken gespürt und bei einer kleinen Weihnachtsfeier am vergangenen Mittwoch in unserer Schule. Es gab Lebkuchen, Dominosteine …, Glühwein und Kerzenschein. War wirklich schön.

Was haben die letzten zwei Wochen denn nun noch so gebracht? Wie im letzten Bericht erwähnt, hatte ich eine Woche Ferien. Am Sonnabend des Ferienanfangs habe ich zusammen mit ein paar Kollegen endlich mal eine nächtliche Tour durch einige Istanbuler Musikklubs gemacht. Morgens um fünf war ich wieder zu Hause. Das sagt sicher alles darüber aus, wie es war. In der Nähe der Istiklal gibt es sprichwörtlich unzählige Klubs mit toller Musik und Stimmung. Mann, was habe ich abgezappelt ;-). Der nächste Tag war natürlich dann der Erholung gewidmet. Einen Tag später war ich dann noch (wiederum) mit einigen Kollegen in einem Thermalbad außerhalb von Istanbul. Auch das war schön und zusätzlich sehr entspannend. Ansonsten habe ich meine 5 Stapel mit Klassenarbeiten abgearbeitet. Das ist eine Tätigkeit, die wirklich sehr langweilig ist, sodass man ständig nach „wichtigen“ Ersatzhandlungen sucht. Die Klassenarbeiten sind korrigiert … und meine Fenster geputzt. Zwischendurch bin ich dann immer mal für ein paar Stunden durch die Stadt geschlendert. Vergangene Woche war dann wieder Schule, aber irgendwie ohne Stress, weil Weihnachten schon so nah war. Da konnte mich nichts mehr ärgern.

Ach so, aus meiner Wohnung gibt es zwei Neuigkeiten. Die erste Sache ist etwas unerfreulich. Ihr erinnert Euch sicher noch an die „tollen“ Erlebnisse mit meinem türkischen Möbelverkäufer Mustafa. Inzwischen ist mein Bett schon ziemlich durchgelegen (nach drei Monaten ;-o). Heute war ich nun mit tat- und wortkräftiger Unterstützung unserer Sekretärin und ihrem Freund bei Mustafa. Er hat nur rumgeeiert, konnte mir kaum in die Augen schauen und hat nach ziemlich lauter Diskussion eine Nachbesserung am 29. Dezember ab 21:00 (wirklich) Uhr versprochen. Mal sehen, ich bin da nicht sehr zuversichtlich. Aber nun zur positiven Entwicklung: Ich habe in den Ferien mein Fernsehproblem gelöst. Jetzt kann ich endlich wieder ein bisschen Sport gucken und meinen geliebten „Tatort“. Das ist doch was, oder?!

Soweit für heute. Ich kann es kaum glauben – in knapp drei Tagen sitze ich im Flieger nach Deutschland. Das sagt alles. Ich wünsche Euch frohe Weihnachten. Deutschland, ich komme.
Euer Frank

7. Dezember 2012 (Wo ist die Weihnachtsdeko?)

Keine Dominosteine, kein Weihnachtsmarkt, kein Glühwein, kein Konsumterror … Wie ich das hasse. Okay, ich muss jetzt zum letzten Mal darauf verzichten. Das tröstet dann doch ein wenig. Statt dessen gibt es Regen und viel Arbeit. Wie ich das hasse. Okay, ich muss es ein letztes Mal überleben. Aber mit der Vorfreude auf das Weihnachstfest in Deutschland und einige kleinen Lichtblicken hier werde ich weiter optimistisch bleiben. Schnee schieben ist ja auch nicht wirklich eine wünschenswerte Alternative.

Was ist also in der letzten Zeit im trüben Istanbul passiert? In der Schule herrscht zur Zeit der übliche Wahnsinn. Klassenarbeiten gehören zum Dauerthema, so dass wir fast ständig ein Gesprächsthema haben: „Wie viel Kilogramm Klassenarbeiten hast Du denn noch zu kontrollieren?“ Seit gestern kann ich da leider auch wieder mitreden. Meine 12. Klasse hat ein vierstündiges Probeabitur in Mathematik geschrieben. Da sind wohl so 200 Blätter Papier zusammen gekommen. Ich mag gar nicht anfangen. Deswegen auch dieser Bericht. 😉 Prioritäten setzen heißt, wichtige Dinge weiter nach hinten zu schieben. Aber ich werde nachher doch beginnen (müssen), denn ich will die Arbeiten so schnell wie möglich vom Tisch haben. Nächste und übernächste Woche bekomme ich schließlich je einen Klassensatz als Nachschub. ;-( Man hat ja sonst nichts zu tun. Ach so, stimmt, es gibt ja auch noch Unterricht. Gestern habe ich mich mal wieder in die Anfangszeit in Istanbul zurück versetzt gefühlt. Ich habe sechs Stunden über einem neuen mathematischen Thema gebrütet, das ich dann heute unterrichtet habe: Integration durch Substitution. Klingt echt spannend, oder?! Und, ist es auch. 😉 Zumindest, wenn man auf diesem Gebiet Eleve ist und ständig Nachfragen der schlauen Schüler befürchten muss. Ich glaube aber, ich habe mich heute ganz gut geschlagen. „Nebenbei“ beschäftige ich mich nach wie vor mit den Computern. Hier gibt es keine wesentlichen Erfolge zu vermelden, außer dass sich die Befürchtung aus meinem letzten Bericht tatsächlich erfüllt hat. Ich weiß nun sicher, dass die PC-Wächterkarten, die wir hier haben, nicht zu Windows 8 passen. Jetzt bin sich so langsam am Ende mit meinem Latein. Naja, noch tun es die alten Rechner. Vielleicht fällt mir ja noch was anderes ein. And last but not least wartet am kommenden Freitag der obligatorische Elternnachmittag auf mich/uns. Das dabei praktizierte gewöhnungsbedürftige Prozedere habe ich ja schon in den letzten Jahren beschrieben.

Und was macht so das Leben außerhalb der Schule? Zunächst einmal kann ich Euch berichten, dass das Sting-Konzert echt super war. Nach meinem Fast-Alptraum mit den Red Hot Chili Peppers war das von der Anreise, über das Konzert selber bis zur Heimreise eine rundum gelungene Sache. Sting war richtig gut und hat fast in CD-Qualität gespielt und es war für mich doch erstaunlich, wie viele Hits er hat. Einfach Klasse, der Typ. Letzten Sonnabend war dann noch am Alman Lisesi der deutsche Weihnachtsmarkt, bei dem ich mich zum Bierausschank bereit erklärt. Ich dachte, dann sitze ich an der Quelle, aber weit gefehlt. Die Zapfanlage funktionierte nicht und der sofort zur Reparatur angeforderte türkische Repaturservice kam türkisch sofort – zwei Stunden nach Anruf war er noch immer nicht da. Apropos, in diesem Zusammenhang habe ich auch aus meiner Wohnung etwas zu berichten. Meine Heizung funktioniert nicht so richtig. In den letzten zwei Wochen hatte ich (mal nachdenken) … 5 Besuche meines Vermieters mit so genannten Heizungsfachleuten. Ergebnis: Viel Gerede, viel Dreck, viel Aufwand und ein weiterhin bestehendes Heizungsproblem. Das Versuch-Irrtum-Lernen der Fachkräfte geht mir ziemlich auf die Nerven, obwohl ich es eigentlich schon kennen müsste. Fortsetzung der Geschichte folgt. Leider. Ansonsten warten jetzt noch zwei schöne Sachen auf mich. Übermorgen Nachmittag werde ich mit ein paar Kollegen Weihnachtsplätzchen backen. Und am kommenden Sonntag Nachmittag hat ein Kollege zu einem selbst zubereitetem Kannichenbraten eingeladen. Da läuft mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammen.

Dieser Braten ist für mich dann sozusagen die Einleitung der Weihnachtszeit, denn in knapp zwei Wochen fliege ich nach Deutschland: Weihnachten. Ich freue mich riesig. Der Gedanke daran ist meine Motivation, jetzt mal die 200 Blätter Probeabitur anzufassen. Also, auf geht’s. Okay, erst lade ich noch ein paar Bilder für Euch hoch. Macht’s gut. Euer Frank

21. Dezember 2012 (Verkehrte Welt)

Freitag früh – ich sitze hier in Istanbul an meinem Computer und kann meine Gefühle gar nicht so richtig einordnen. Ich habe keine Schule heute. Vor vielen Jahren hat es so eine Situation schon einmal gegeben, hat man mir berichtet. Aber es klang immer so wie ein Märchen oder eine Sage. Doch nun darf ich das auch noch einmal erleben. Es ist also doch wahr. Hitzefrei kannte ich ja schon, aber schneefrei ist doch eine neue Erfahrung und so bewegend. Schluchz. 😉 Okay, genug. Es ist tatsächlich wahr. Gestern fing es hier an zu schneien und dann läuft das Leben hier so wie seiner Zeit bei der Deutschen Reichsbahn. Wenn eine Schneeflocke hochkant liegt, läuft gar nichts mehr. Der Straßenverkehr hier kommt bei Schneefall doch sehr schnell zum Erliegen. Es kracht sehr häufig, weil die sonst so wagemutigen Autopiloten mit der Situation überfordert sind. Naja, man muss aber auch zu ihrer Ehrenrettung sagen, dass das Fahren auf Sommerreifen bei Schnee nicht so einfach ist. Ich weiß gar nicht, ob es das Wort „Winterreifen“ auf türkisch gibt. 😉

Gut, also sitze ich nun völlig entspannt zu Hause und kann mich in Ruhe auf meinen Flug nach Deutschland vorbereiten. Ich freue mich riesig und denke gerade daran, dass ich dieses doppelt überwältigende Gefühl der Vorfreude gerade zum letzten Mal erlebe. Mann, Mann, 5 Mal war das nun so; wo ist die Zeit geblieben? Es ist schon so, dass auch ein bisschen Wehmut dabei ist. Schließlich habe ich hier in Istanbul so viel Unglaubliches erlebt und erfahren. … Hoffentlich herrscht am Flughafen nicht auch so ein Chaos wie in der Stadt selbst und hoffentlich komme ich pünktlich zum Terminal. Ich werde auf jeden Fall mehr Zeit einplanen und mich heute eine Stunde früher auf den Weg machen.

Und last but not least werde ich zwischen Weihnachten und Neujahr zum letzten Mal in der Schule sein müssen, obwohl keine Schüler da sind. Also werden wir uns wieder gegenseitig beaufsichtigen. Ich werde mir Thermounterwäsche anziehen, in der kalten Schule meine Klassenarbeit von gestern korrigieren und an den Computern „schrauben“. Was soll’s.

So, ich werde jetzt noch ein paar Sachen in meinem Koffer verstauen und dann die Reise antreten. Also dann.

Ich wünsche Euch frohe Weihnachten und einen erfolgreichen Start in das Jahr 2013 – das Jahr meiner Rückkehr. Zwei Herzen schlagen ach in meiner Brust.
Euer Frank